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Agentic Commerce: Wenn KI-Agenten im B2B-Shop bestellen

Wie Sie einen Shopware-B2B-Shop agentenfähig machen: strukturierte Produktdaten, API, Checkout, Authentifizierung und Freigaben für KI-Einkaufsagenten.

13 Min. Lesezeit Agentic CommerceKI-EinkaufShopware

Jahrelang ging es im B2B-E-Commerce um Sichtbarkeit: gefunden werden, gut aussehen, den Menschen vor dem Bildschirm überzeugen. Diese Frage bleibt wichtig, aber sie beantwortet nur die halbe Wahrheit von 2026. Denn immer häufiger sitzt vor dem Bildschirm kein Mensch mehr, sondern ein Programm, das im Auftrag des Einkaufs recherchiert, vergleicht, konfiguriert und am Ende bestellt. Laut Deloitte nutzen bereits rund 40 Prozent (Deloitte) der B2B-Einkäufer agentische KI, und 74 Prozent (Deloitte) planen deren Einführung binnen zwei Jahren. Eine Gartner-Prognose geht sogar davon aus, dass bis 2028 rund 90 Prozent (Gartner) der B2B-Käufe über KI-Agenten angebahnt oder abgewickelt werden könnten. Wer in diesem Kanal nicht bestellbar ist, wird von der Maschine schlicht übergangen. Dieser Beitrag zeigt nicht, wie Sie in der KI-Suche sichtbar werden - das ist ein eigenes Thema -, sondern wie Sie einen Shopware-B2B-Shop transaktionsfähig für autonome Einkaufsagenten machen: mit strukturierten Produktdaten, einer belastbaren API, einem agentenfähigen Checkout sowie Authentifizierung und Freigaberegeln.

Das Wichtigste in Kürze

  • Agentic Commerce verschiebt die Leitfrage vom Gefundenwerden zum Bestelltwerden: Rund 40 Prozent (Deloitte) der B2B-Einkäufer nutzen bereits agentische KI, 74 Prozent (Deloitte) planen die Einführung binnen zwei Jahren.
  • Ein Agent interpretiert nicht. Fehlt eine kaufrelevante Angabe als benanntes Feld, bricht er ab - Kennungen, technische Merkmale, Preis mit Währung und Verpackungseinheit sowie Verfügbarkeit gehören strukturiert ausgezeichnet, etwa nach dem offenen Vokabular von Schema.org.
  • Ohne belastbare Schnittstelle bleibt der Kanal Theorie: Produktabfrage, kundenindividuelle Preisermittlung, Warenkorb-Operationen, Bestellauslösung, Statusrückmeldung und eine klare Fehlersemantik müssen versioniert und maschinell nutzbar sein.
  • Kontrolle entsteht über eine eigene, widerrufbare Identität je Agent statt geteilter Zugangsdaten, dazu feingranulare Rechte, Budgets, Bestelllimits, erlaubte Sortimente und Freigabestufen, ab denen ein Mensch zustimmt.
  • Der Weg führt nicht über einen Neubau: Datenqualität, dokumentierte API-Schicht, Agenten-Identitäten und die Verzahnung mit ERP und PIM lassen sich stufenweise auf Shopware Open Source aufsetzen.

Warum Agentic Commerce den B2B-Einkauf umbaut

Agentic Commerce beschreibt einen Einkauf, bei dem ein KI-Agent nicht nur Vorschläge macht, sondern eigenständig Handlungsschritte ausführt: Er versteht einen Bedarf, sucht passende Artikel, prüft Preis, Verfügbarkeit und Konditionen, legt einen Warenkorb an und stößt - im Rahmen vorgegebener Regeln - die Bestellung an. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Produktsuche liegt darin, dass die Maschine handelt, statt nur zu informieren. Für Händler verschiebt sich damit die zentrale Frage von "Werde ich gefunden?" zu "Kann bei mir auch maschinell bestellt werden?". Ein Shop, der ausschließlich auf das menschliche Auge ausgelegt ist - mit Informationen in Bildern, in frei formuliertem Fließtext oder hinter mehreren Klicks -, ist für einen Agenten schwer oder gar nicht bedienbar. Genau hier entscheidet sich, ob ein Anbieter im neuen Kanal Umsatz macht oder unsichtbar bleibt.

Die Dynamik ist erheblich. Neben den rund 40 Prozent (Deloitte) der B2B-Einkäufer, die agentische KI bereits einsetzen, und den 74 Prozent (Deloitte), die sie in den nächsten zwei Jahren einführen wollen, rechnet Gartner damit, dass bis 2028 rund 33 Prozent (Gartner) der Unternehmenssoftware agentische KI enthalten werden - gegenüber weniger als einem Prozent im Jahr 2024. Zudem sollen bis 2028 mindestens 15 Prozent (Gartner) der alltäglichen Arbeitsentscheidungen autonom durch Agenten getroffen werden. Für die Beschaffung heißt das: Routinebestellungen, Nachbestellungen und standardisierte Einkäufe wandern zuerst in den Agentenkanal, weil sie klar beschreibbar und wenig verhandlungsintensiv sind. Wer diese Bestellungen maschinell entgegennehmen kann, gewinnt genau das planbare, wiederkehrende Geschäft, das im B2B den Deckungsbeitrag trägt.

Bedarf erkennen

Der Agent leitet aus einer Anfrage, einem Lagerstand oder einer Stückliste ab, was in welcher Menge beschafft werden muss - ohne dass ein Mensch die Suche startet.

Vergleichen

Er prüft mehrere Anbieter parallel auf Spezifikation, Preis, Verfügbarkeit und Lieferzeit und filtert, was den Vorgaben des Einkaufs entspricht.

Konfigurieren

Bei Varianten und Zubehör stellt der Agent die passende Kombination zusammen, sofern die Produktlogik maschinenlesbar hinterlegt ist.

Warenkorb bauen

Er legt Positionen mit korrekter Verpackungseinheit, Menge und kundenindividuellem Preis in einen Warenkorb - technisch über die Shop-API.

Freigabe einholen

Überschreitet die Bestellung ein Limit, holt der Agent die Genehmigung ein oder legt den Vorgang einem menschlichen Freigeber vor.

Bestellen

Innerhalb der erlaubten Grenzen schließt der Agent die Bestellung ab und dokumentiert sie nachvollziehbar für Einkauf und Buchhaltung.

Vom Suchen zum Bestellen: die neue Rolle des Shops

Solange der Mensch bestellt, verzeiht ein Shop viele Schwächen: Ein Einkäufer interpretiert unklare Angaben, sucht im Datenblatt nach der fehlenden Zahl und ruft im Zweifel an. Ein Agent tut das nicht. Er verlässt sich auf das, was strukturiert und eindeutig vorliegt, und bricht ab, wenn eine kritische Information fehlt oder mehrdeutig ist. Damit werden Datenlücken, die am Menschen vorbeigehen, im Agentenkanal zu harten Abbruchgründen. Die gute Nachricht: Dieselbe Sorgfalt, die einen Shop agentenfähig macht, verbessert auch die Erfahrung für menschliche Einkäufer, weil klare Daten, stabile Prozesse und eindeutige Preise allen zugutekommen. Wer heute in maschinenlesbare Qualität investiert, zahlt nicht auf einen exotischen Randkanal ein, sondern auf die Grundsubstanz des eigenen Shops.

Der Druck, hier zu handeln, entsteht auch aus der Erwartungshaltung der Kundenseite. Schon heute wechseln laut Forrester rund 44 Prozent (Forrester) der B2B-Einkäufer den Lieferanten, wenn die digitale Erfahrung nicht überzeugt, und etwa 73 Prozent (Forrester) der professionellen Einkäufer gehören inzwischen zu den Generationen der Millennials und der Gen Z, die digitale Selbstbedienung als Normalfall voraussetzen. Wenn diese Einkäufer beginnen, Routineaufgaben an Agenten zu delegieren, erwarten sie, dass ihre bevorzugten Lieferanten mitspielen. Ein Anbieter, der maschinell nicht bestellbar ist, fällt dann nicht durch einen einzelnen Menschen, sondern systematisch aus der Auswahl - der Agent findet schlicht einen Weg, der funktioniert. Wie sich Sichtbarkeit und Transaktionsfähigkeit ergänzen, vertieft unser Beitrag dazu, wie Produkte in der KI-Suche für Geschäftskunden sichtbar werden.

Sichtbarkeit und Bestellbarkeit sind zwei Baustellen

In der KI-Suche gefunden zu werden und maschinell bestellbar zu sein, sind verwandte, aber getrennte Aufgaben. Das eine sorgt dafür, dass ein Agent Ihr Sortiment überhaupt in Betracht zieht; das andere entscheidet, ob er die Bestellung bei Ihnen abschließen kann. Beide zusammen ergeben erst einen tragfähigen Agentenkanal. Dieser Beitrag konzentriert sich auf die zweite Baustelle - die Transaktionsfähigkeit -, weil hier der konkrete Umsatz gewonnen oder verloren wird.

Maschinenlesbare Produktdaten als Fundament

Das Fundament jedes agentenfähigen Shops sind saubere, strukturierte Produktdaten. Ein Agent muss ohne menschliche Interpretation erkennen können, um welchen Artikel es geht, welche Spezifikation er hat, was er kostet, ob er verfügbar ist und in welcher Einheit er verkauft wird. Freitextbeschreibungen und Bilder reichen dafür nicht; die Kerninformationen müssen als eindeutige, benannte Felder vorliegen. Bewährt hat sich die Auszeichnung mit dem offenen Vokabular von Schema.org, ergänzt um branchenübliche Kennungen wie GTIN oder Hersteller-Artikelnummer. Wie stark die Datenqualität über den Erfolg entscheidet, zeigt unser Beitrag zu Produktdaten und PIM als Datenquelle im Detail - im Agentenkanal wird aus einer Komfortfrage eine harte Voraussetzung.

  • Eindeutige Kennungen je Artikel: SKU, GTIN und Hersteller-Artikelnummer maschinenlesbar
  • Technische Merkmale als benannte Attribute, nicht nur als Fließtext im Beschreibungsfeld
  • Preis als strukturiertes Feld inklusive Währung, Staffel und Verpackungseinheit
  • Verfügbarkeit und Lieferzeit als aktuelle, abfragbare Werte statt als Bild oder Ampel
  • Varianten, Zubehör und Nachfolgeartikel logisch verknüpft und eindeutig referenziert
  • Nachhaltigkeits- und Compliance-Daten wie CO2-Angaben als eigene, auslesbare Felder

Ein konkretes Beispiel macht den Unterschied greifbar. Statt eine Beschreibung wie "grauer Kabelkanal, ab Lager, günstig" anzubieten, hinterlegt ein agentenfähiger Shop die gleichen Informationen als strukturierte Daten, die ein Agent zuverlässig auslesen kann. Das folgende, vereinfachte Beispiel zeigt, wie ein Produkt mit Preis, Verfügbarkeit und B2B-Merkmalen im Schema.org-Format ausgezeichnet werden kann. Die Werte sind illustrativ; entscheidend ist das Prinzip, jede kaufrelevante Angabe als benanntes Feld bereitzustellen.

product.schema.json
{
  "@context": "https://schema.org",
  "@type": "Product",
  "sku": "A-2041-60",
  "name": "Kabelkanal 60x40 mm, grau",
  "gtin13": "4012345678901",
  "brand": { "@type": "Brand", "name": "Muster Technik" },
  "offers": {
    "@type": "Offer",
    "priceCurrency": "EUR",
    "price": "3.90",
    "priceValidUntil": "2026-12-31",
    "availability": "https://schema.org/InStock",
    "inventoryLevel": { "@type": "QuantitativeValue", "value": 1840 },
    "eligibleCustomerType": "B2B",
    "eligibleQuantity": { "@type": "QuantitativeValue", "minValue": 12, "unitText": "Stück" }
  }
}

Auch Nachhaltigkeitsdaten gewinnen im Agentenkanal an Gewicht, weil viele Einkaufsrichtlinien inzwischen ökologische Kriterien enthalten und ein Agent diese nur berücksichtigen kann, wenn sie strukturiert vorliegen. Wie sich der Product Carbon Footprint als CO2-Angabe im B2B-Shop darstellen und pflegen lässt, behandelt unser Beitrag dazu. Für die Agentenfähigkeit gilt derselbe Grundsatz wie bei Preis und Verfügbarkeit: Was der Einkauf als Kriterium nutzt, muss als auslesbares Feld vorhanden sein, sonst fällt der Artikel bei der automatischen Auswahl durch.

Eine API und ein Checkout für Agenten

Strukturierte Daten allein genügen nicht - der Agent muss auch handeln können. Dafür braucht der Shop eine stabile, dokumentierte Programmierschnittstelle, über die sich Artikel abfragen, Warenkörbe anlegen, kundenindividuelle Preise ermitteln und Bestellungen auslösen lassen. Shopware Open Source bringt mit seiner Store-API und der Admin-API eine solide Grundlage mit, auf der sich agentenfähige Abläufe aufbauen lassen. Entscheidend ist, dass die Schnittstelle verlässlich, versioniert und nachvollziehbar arbeitet: gleiche Anfrage, gleiche Antwort, klar dokumentierte Felder und Fehler. Ein Agent kann mit einer sprunghaften oder schlecht beschriebenen Schnittstelle wenig anfangen; er braucht Berechenbarkeit. Wie eine tragfähige Schnittstellen-Architektur für B2B-Shops aussieht, zeigt unser Beitrag dazu.

  • Produktabfrage: Artikel, Attribute, Staffelpreise und Verfügbarkeit strukturiert ausliefern
  • Preisermittlung je Kunde: kundenindividuelle Konditionen und Rahmenverträge korrekt anwenden
  • Warenkorb-Operationen: Positionen anlegen, ändern und mit Verpackungseinheiten rechnen
  • Bestellauslösung: Auftrag anlegen, Zahlart und Lieferadresse aus dem Kundenkonto übernehmen
  • Statusrückmeldung: Auftragsbestätigung, Lieferstatus und Belege maschinell abrufbar halten
  • Klare Fehlersemantik: eindeutige Codes, damit der Agent Grenzfälle sauber behandeln kann

Rund um Agentic Commerce entstehen derzeit offene Protokolle, die den Austausch zwischen Agent und Shop vereinheitlichen sollen - etwa Ansätze, mit denen Agenten Werkzeuge und Kataloge standardisiert ansprechen, sowie neue Protokolle für die Freigabe von Zahlungen durch Agenten. Diese Standards sind noch jung und im Fluss, daher lohnt es sich, die eigene Schnittstelle so zu bauen, dass sie sich an aufkommende Protokolle andocken lässt, ohne den ganzen Shop umbauen zu müssen. Eine sauber getrennte API-Schicht macht genau das möglich: Der Kern bleibt stabil, während die Anbindung an neue Agentenkanäle als Adapter ergänzt wird. So bleibt der Shop anschlussfähig, ohne sich vorschnell auf einen einzelnen, noch unfertigen Standard festzulegen.

Authentifizierung und Freigaberegeln für autonome Einkäufer

Sobald eine Maschine im Namen eines Kunden bestellt, wird Kontrolle zur Kernfrage. Der Shop muss sicher erkennen, welcher Agent für welchen Kunden mit welchen Rechten handelt, und darf ihm nur genau das erlauben, was der Kunde freigegeben hat. Das bedeutet: eine eigene, widerrufbare Identität je Agent statt geteilter Zugangsdaten, feingranulare Berechtigungen und ein lückenloses Protokoll aller maschinellen Vorgänge. Genauso wichtig sind Grenzen: Budgets, Bestelllimits, erlaubte Sortimente und Freigabestufen, ab denen ein Mensch zustimmen muss. Diese Logik ist keine Neuerfindung, sondern eine konsequente Erweiterung dessen, was gute B2B-Shops für Freigabeprozesse, Genehmigungen und Budgets ohnehin bereitstellen - nur dass der Auslöser jetzt auch ein Agent sein kann.

Eigene Agenten-Identität

Jeder Einkaufsagent erhält eine eigene, jederzeit widerrufbare Zugangsberechtigung - keine geteilten Passwörter, damit sich jede Aktion einem Agenten zuordnen lässt.

Feingranulare Rechte

Der Agent darf nur bestimmte Sortimente, Mengen und Zahlarten nutzen; alles andere bleibt gesperrt, auch wenn der zugrunde liegende Kunde mehr Rechte hätte.

Budgets und Limits

Bestellwert, Periodenbudget und Einzelpositionslimits begrenzen den Handlungsrahmen. Wird eine Grenze erreicht, stoppt der Vorgang oder geht in die Freigabe.

Nachvollziehbares Protokoll

Jede maschinelle Aktion wird protokolliert - wer, wann, was, in welcher Höhe. Das schafft Prüfbarkeit für Einkauf, Revision und Buchhaltung.

Sicherheit ist dabei kein Nachgedanke, sondern Bedingung. Ein maschineller Kanal vergrößert die Angriffsfläche, wenn er unsauber umgesetzt ist: kompromittierte Zugangsdaten, manipulierte Anfragen oder ein Agent, der außerhalb seiner Grenzen handelt, können realen Schaden anrichten. Deshalb gehören starke Authentifizierung, strikte Rechtevergabe, Ratenbegrenzung und Anomalie-Erkennung von Anfang an in die Architektur. Wie sich ein B2B-Shop technisch und organisatorisch absichert, ordnet unser Beitrag zu IT-Sicherheit und NIS2 im B2B-Shop ein. Bei neuen oder unbekannten Agenten empfiehlt sich zusätzlich eine automatische Prüfung von Bonität und Bestelllimits, wie sie unser Beitrag zu Zahlungsausfall und Bonität im B2B-Shop beschreibt. Der Grundsatz lautet: einem Agenten so viel Handlungsspielraum geben, wie der Kunde ausdrücklich erlaubt - und keinen Millimeter mehr.

Agentic Commerce gegen den klassischen Checkout

Ein Blick auf die Unterschiede macht deutlich, warum der Agentenkanal eine eigene Betrachtung verlangt und nicht einfach als weitere Frontend-Variante durchgeht. Wo der menschliche Checkout auf Bildschirm, Interpretation und spontane Entscheidung setzt, verlangt der agentische Ablauf strukturierte Daten, klare Regeln und maschinelle Nachvollziehbarkeit.

MerkmalKlassischer CheckoutAgentic Commerce
AkteurMensch am BildschirmSoftware im Auftrag des Einkaufs
ProduktdatenBild und Fließtext genügenStrukturierte, benannte Felder nötig
ZugangLogin im BrowserEigene, widerrufbare Agenten-Identität
EntscheidungInterpretation und BauchgefühlRegeln, Limits und Freigaben
FehlertoleranzMensch fragt nach oder ruft anAbbruch bei fehlender Eindeutigkeit
NachweisBestellhistorie im KontoLückenloses Maschinenprotokoll

Wichtig ist, beide Kanäle nicht gegeneinander auszuspielen. Der menschliche Checkout bleibt für beratungsintensive, komplexe oder neue Bedarfe zentral, während der Agentenkanal die planbaren, wiederkehrenden Bestellungen effizient abwickelt. Ein durchdachter B2B-Shop bedient beide aus derselben Datenbasis und denselben Regeln, sodass Preise, Verfügbarkeiten und Freigaben in jedem Kanal identisch sind. Genau diese gemeinsame Grundlage verhindert Widersprüche zwischen dem, was ein Mensch sieht, und dem, was ein Agent auslesen kann. Portale und Selbstbedienung, wie sie in unseren B2B-Portalen angelegt sind, bilden dafür eine natürliche Basis.

Shopware agentenfähig machen: der pragmatische Weg

Der Weg zum agentenfähigen Shop führt nicht über einen radikalen Neubau, sondern über gezielte Ausbaustufen auf einer soliden Basis. Shopware Open Source liefert mit Store-API, Admin-API, Kundengruppen, Rollen und Rechten die Bausteine, um maschinelle Bestellungen kontrolliert zuzulassen. Der pragmatische Ansatz beginnt bei der Datenqualität, ergänzt eine sauber dokumentierte API-Schicht, führt Authentifizierung und Freigaberegeln für Agenten ein und verzahnt das Ganze mit ERP und PIM, damit Preise, Bestände und Aufträge in Echtzeit stimmen. So entsteht ein Kanal, der belastbar ist, ohne den bestehenden Shop zu gefährden. Die enge Anbindung an das Warenwirtschaftssystem ist dabei kein Extra, sondern der Kern jeder soliden ERP-Integration für den B2B-Shop.

Ein agentenfähiger Shop ist kein neuer Shop, sondern ein gut geführter Shop, dessen Daten und Regeln so eindeutig sind, dass auch eine Maschine ihnen folgen kann.

Grundsatz agentenfähiger B2B-Shops

Der Vergleich zu bestehenden Beschaffungsanbindungen hilft, den Aufwand realistisch einzuordnen. Wer schon heute Großkunden über Katalog-Anbindungen wie Punchout und OCI bedient, kennt das Muster, dass ein fremdes System strukturiert auf den eigenen Katalog zugreift und Positionen zurückspielt. Agentic Commerce führt diesen Gedanken fort, ersetzt aber das feste Fremdsystem durch einen flexiblen, KI-gesteuerten Agenten. Die technischen Anforderungen an saubere Daten, klare Schnittstellen und geregelte Freigaben ähneln sich stark - das erklärt, warum Anbieter mit gepflegten Beschaffungsanbindungen oft einen kürzeren Weg in den Agentenkanal haben.

Schritt für Schritt zum agentenfähigen Shop

Ein agentenfähiger Shop entsteht nicht über Nacht, sondern in überschaubaren Stufen, die sich einzeln nutzen lassen. Wer mit der Datenqualität beginnt, verbessert sofort auch die Erfahrung menschlicher Einkäufer und schafft zugleich die Voraussetzung für alles Weitere. Darauf bauen die API-Schicht, die Zugangs- und Freigabelogik und schließlich die Anbindung an aufkommende Agenten-Protokolle auf. Da bereits 74 Prozent (Deloitte) der Einkäufer den Einsatz binnen zwei Jahren planen und bis 2028 rund 90 Prozent (Gartner) der B2B-Käufe über Agenten laufen könnten, ist ein schrittweiser, aber zügiger Einstieg sinnvoller als abzuwarten, bis der Kanal ausgereift ist - denn die planbaren Bestellungen wandern zuerst, und sie kommen erfahrungsgemäß nicht von allein zurück.

  1. Produktdaten strukturieren: Kennungen, Attribute, Preise und Verfügbarkeit maschinenlesbar machen
  2. API-Schicht dokumentieren: stabile, versionierte Endpunkte für Abfrage, Warenkorb und Bestellung
  3. Agenten-Identitäten einführen: eigene, widerrufbare Zugänge statt geteilter Zugangsdaten
  4. Freigaberegeln definieren: Budgets, Limits, erlaubte Sortimente und Genehmigungsstufen festlegen
  5. ERP und PIM verzahnen: Preise, Bestände und Aufträge in Echtzeit über alle Kanäle synchron halten
  6. Anschlussfähig bleiben: Schnittstelle so bauen, dass neue Agenten-Protokolle als Adapter andocken

Am Anfang steht selten die Technik, sondern die Frage, welche Bestellungen sich überhaupt für den Agentenkanal eignen. Standardartikel, Nachbestellungen und klar spezifizierte Positionen sind ideale Kandidaten; beratungsintensive Projekte bleiben zunächst beim Menschen. Wer diese Priorisierung ernst nimmt, kann mit wenigen, hochwertig umgesetzten Abläufen starten und den Kanal anhand echter maschineller Nutzung ausbauen. Welche Stufen für Ihren Shop sinnvoll sind und wie sich der Aufwand realistisch schätzen lässt, zeigen vergleichbare Projektansätze; die konkrete Umsetzung besprechen wir gern im direkten Kontakt.

Dieser Artikel basiert auf Daten aus: Deloitte (Agentic commerce: The future of B2B commerce, 2026), Gartner (Prognosen zu agentischer KI in Unternehmen und Beschaffung) sowie Forrester (B2B-Buyer-Experience und Anbieterwechsel). Die genannten Zahlen sind teils Prognosen und können je nach Branche, Studie und Zeitpunkt variieren.

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