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Integration & Prozesse

2D-Code neben dem Strichcode: GS1-Ziel 2027 für Produktdaten

Bis Ende 2027 sollen Kassen die GTIN aus 2D-Codes lesen. Welche Daten Hersteller und Großhändler dafür im PIM brauchen und wie der QR-Code zum Shop führt.

17 Min. Lesezeit GS1 Digital LinkProduktdatenPIMB2B

Kurz und einfach erklärt

Hier geht es um einen neuen Code auf Ihrer Ware. Neben dem Strichcode kommt ein QR-Code dazu.

Handel und Industrie haben sich auf dieses Ziel geeinigt. Es ist kein Gesetz. Der Strichcode bleibt vorerst.

Der QR-Code trägt die Nummer des Artikels. Er kann auch Charge und Haltbarkeit tragen. Beim Scan mit dem Handy führt er auf eine Seite, die Sie selbst wählen.

Dafür braucht Ihr Shop einen Weg zur Produktseite. Die Daten kommen aus Ihren Programmen für Ware und Aufträge.

Gut ist ein Test mit wenigen Produkten. Wir helfen Ihnen dabei.

1974 (GS1 Germany) wurde in einem Supermarkt zum ersten Mal ein Barcode gescannt, und bis heute trägt der EAN-Strichcode genau eine Information: die GTIN. Das soll sich ändern, ohne dass der Strichcode verschwindet. Bis Ende 2027 (GS1 Germany) sollen Kassensysteme GS1-konforme 2D-Codes verarbeiten und mindestens die GTIN daraus auslesen können. Das ist ein Branchenziel, auf das sich GS1 mit Handel und Industrie verständigt hat, kein Gesetz. Für Hersteller und Großhändler, die den Handel beliefern, ist es trotzdem ein Datenthema: Ein QR-Code mit GS1 Digital Link trägt neben der GTIN auf Wunsch Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum und führt beim Scan mit dem Smartphone auf eine Webadresse, die Sie selbst bestimmen. Dieser Beitrag zeigt, was im Code steht, welche Felder dafür im PIM gepflegt sein müssen und wie eine Auflöse-Route im Shop den Scan auf Produktseite, Datenblatt oder Chargeninformation leitet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis Ende 2027 (GS1 Germany) sollen Kassen GS1-konforme 2D-Codes lesen und mindestens die GTIN übernehmen. Das ist ein Branchenziel von GS1, Handel und Industrie, keine gesetzliche Pflicht für Hersteller.
  • Der EAN-Strichcode bleibt: In der Übergangszeit tragen Produkte mit 2D-Code in der Regel beide Codes, und der 2D-Code steht für den Kassenscan in der Nähe des EAN-Codes (GS1 Germany).
  • Im Digital-Link-Pfad steht die GTIN mit 14 Stellen (GS1 Digital Link Standard), eine EAN-13 bekommt also eine führende Null. Charge und Seriennummer folgen in fester Reihenfolge, das MHD steht in der Abfrage.
  • Die Zieladresse des QR-Codes bestimmt der Inhaber der GTIN (GS1 Germany). Eine Route im Shop löst die GTIN auf und leitet über genau ein Standardziel (GS1-Conformant Resolver Standard) auf die Produktseite.
  • Charge und MHD sind Bewegungsdaten aus Produktion und ERP, keine Stammdaten. Das PIM führt GTIN, Zielseiten und Dokumente, die Werte je Los kommen beim Etikettendruck aus dem ERP.
  • Ein Pilot mit einem Produkt oder einer Produktgruppe testet Daten, Druck, Scan und Route, bevor das Sortiment folgt; die Druckqualität wird vor Serienstart und laufend geprüft (GS1 Germany).

Was GS1 bis Ende 2027 erreichen will

GS1 nennt das Vorhaben 2D-Migration. Der Ausgangspunkt ist schlicht: Ein eindimensionaler Strichcode wie der EAN-Code kann nur eine Produktkennung verschlüsseln, die GTIN (GS1 Germany). Chargennummer, Seriennummer oder Mindesthaltbarkeitsdatum passen nicht hinein. Zweidimensionale Codes, also GS1 DataMatrix oder ein QR-Code mit GS1 Digital Link, tragen diese Daten zusätzlich und lassen sich von Kassenscannern ebenso lesen wie von Smartphones. Der Implementierungsleitfaden, den GS1 Germany, GS1 Schweiz und GS1 Austria auf Deutsch herausgeben, formuliert das erste Ziel so: POS-Scanner des Einzelhandels sollen bis Ende 2027 (GS1-Implementierungsleitfaden) weltweit die GTIN sowohl aus bestehenden linearen Codes als auch aus 2D-Codes lesen und verarbeiten können. Dafür sind Software-Updates nötig und, wo Scanner noch nicht bildbasiert arbeiten, möglicherweise auch neue Geräte.

Für die Einordnung ist wichtig: Die Jahreszahl ist ein Branchenziel. Ein Gesetz, das Hersteller zum 2D-Code verpflichtet, steht nicht dahinter, und GS1 Germany schreibt ausdrücklich, dass Unternehmen, die zunächst nur den linearen Barcode verwenden möchten, keinen zusätzlichen 2D-Code aufbringen müssen. Der EAN-Code wird auch nicht abgeschafft: Während der Migration existieren lineare Barcodes und 2D-Codes parallel. Wer einen 2D-Code schon an der Kasse einsetzen will, kennzeichnet in der Übergangsphase in der Regel doppelt, weil noch nicht alle Kassensysteme 2D-Codes verarbeiten. Wie weit der Handel ist, zeigt eine Meldung vom März 2026 (GS1 Germany): Die Drogeriemarktkette dm testet in einer Pilotphase in ausgewählten Märkten, QR-Codes im Kassiervorgang zu verarbeiten, und will auf dieser Grundlage über einen möglichen nationalen Rollout entscheiden.

Branchenziel und Gesetz nicht verwechseln

Neben dem GS1-Ziel gibt es gesetzliche Vorgaben, die ebenfalls mit Codes und Produktdaten arbeiten, etwa den digitalen Produktpass der Ökodesign-Verordnung, den wir im Beitrag zum Digitalen Produktpass für B2B-Shopdaten beschrieben haben. Die Produktsicherheitsverordnung erlaubt, Pflichtangaben wie Typen-, Chargen- oder Seriennummer und die Kontaktdaten des Herstellers zusätzlich in digitaler Form über eine elektronische Lösung am Produkt bereitzustellen (Art. 21 GPSR). Ein QR-Code ersetzt die gedruckte Pflichtangabe dort also nicht, er ergänzt sie.

Drei Schreibweisen, ein Schlüssel: die GTIN

An der Kasse zählt am Ende eine Zahl. Bisher wurde am Point of Sale in der Regel nur die einfache Plain Syntax verwendet, also die nackte GTIN im EAN-13. Mit 2D-Codes kommen zwei neue GS1-Syntaxen hinzu (GS1 Germany): die Datenelementsyntax, in der Datenbezeichner wie (01) für die GTIN oder (10) für die Charge die Werte einleiten und die im GS1 DataMatrix steckt, und die Digital-Link-Syntax, die dieselben Daten als Webadresse schreibt und in einem QR-Code steht. Weil diese Adresse fest strukturiert ist, liest ein Kassenscanner die GTIN daraus, ohne die Adresse aufzurufen; eine Internetverbindung ist dafür nicht erforderlich (GS1 Germany).

Merkmal (GS1 Germany)EAN-13GS1 DataMatrixQR-Code mit GS1 Digital Link
Inhaltnur die GTINGTIN plus Zusatzdaten wie Charge, MHD oder SeriennummerGTIN plus Zusatzdaten, geschrieben als Webadresse
SyntaxPlain SyntaxGS1-DatenelementsyntaxGS1-Digital-Link-URI-Syntax
LesegeräteLaserscanner und BildscannerBildscanner und SmartphonesBildscanner und Smartphones
SchwerpunktKassenscanProzessoptimierung, etwa bei Frischeprodukten und im GesundheitswesenZugang zu webbasierten Informationen
In der Übergangszeitbleibt auf der Packungzusätzlich zum EAN-Code, in dessen Nähezusätzlich zum EAN-Code, in dessen Nähe

Für die Kassen selbst hat die Branche drei Software-Modi beschrieben (GS1-Implementierungsleitfaden). Die Mindestanforderung für das Ziel 2027 ist Modus 1 (GS1-Implementierungsleitfaden): Der Scanner erkennt die GTIN in jedem GS1-konformen linearen Code oder 2D-Code, gibt ein einziges Signal und übergibt sie, auch wenn mehrere Codes mit derselben GTIN auf der Packung stehen. Charge oder Verfallsdatum mit zu übertragen, ist Sache der weiteren Modi. Für Lieferanten heißt das: Der Kassenscan funktioniert mit der GTIN allein. Alle weiteren Daten im Code sind ein Angebot an Händler und Kunden, die sie nutzen wollen, und kein Hindernis für den Verkauf.

So ist ein Digital Link aufgebaut

Ein GS1 Digital Link ist eine gewöhnliche Webadresse mit fester innerer Ordnung. Der Standard ist seit August 2018 (GS1 Digital Link Standard) ratifiziert. GS1 Germany zeigt den Aufbau an einem Beispiel: example.com/01/09524000059109, ergänzt um eine Chargennummer example.com/01/09524000059109/10/L12345 (GS1 Germany). Die Ziffern hinter /01/ sind die GTIN, die Zeichen hinter /10/ die Charge. Seit Version 1.4.0 verlangt der Standard, dass die GTIN mit 14 Stellen (GS1 Digital Link Standard) geschrieben wird. Eine GTIN-13, also die übliche 13-stellige EAN-Nummer (GS1 Germany), bekommt eine führende Null, eine GTIN-8 sechs. Genau hier hakt es leicht, wenn das PIM die GTIN als 13-stellige Zahl führt und der Shop den Pfad wörtlich mit seiner Datenbank vergleicht. Die folgenden Adressen zeigen die Stufen vom reinen Artikel bis zur Charge mit Mindesthaltbarkeitsdatum, dazu eine Anfrage nach einem bestimmten Linktyp:

digital-link-beispiele.txt
https://example.com/01/09524000059109
https://example.com/01/09524000059109/10/L12345
https://example.com/01/09526000134367/10/L12345/21/S6789?15=271231
https://example.com/01/09524000059109?linkType=gs1:pip

Die Reihenfolge im Pfad ist festgelegt: Nach der GTIN dürfen Produktvariante (22), Charge (10) und Seriennummer (21) folgen, und zwar nur in dieser Reihenfolge (GS1 Digital Link Standard). Daten, die ein Produkt beschreiben, aber nicht identifizieren, stehen als Attribute in der Abfrage hinter dem Fragezeichen, etwa das Mindesthaltbarkeitsdatum mit dem Datenbezeichner 15 im Format JJMMTT oder das Verfallsdatum mit 17 (GS1 Germany). Für die Datenpflege ist die Unterscheidung keine Spitzfindigkeit: Mindesthaltbarkeit und Verfall sind zwei verschiedene Felder, und wer sie im PIM oder ERP in einer Spalte „Datum“ zusammenlegt, druckt später den falschen Datenbezeichner. Charge und Seriennummer dürfen im Digital Link je bis zu 20 Zeichen (GS1 Digital Link Standard) lang sein.

Wer bestimmt, wohin der QR-Code führt?

Die Antwort steht bei GS1 Germany klar: Verantwortlich für die verlinkte Webseite ist der Inhaber des GS1-Idents, bei Produkten also etwa der Markeninhaber, der die GTIN vergibt (GS1 Germany). Für Hersteller ist das der eigene Webauftritt, für Großhändler mit Eigenmarken ebenso. Die Checkliste von GS1 Germany für den Umstieg nennt den Punkt ausdrücklich: Wer den QR-Code mit GS1 Digital Link verwendet, soll eine passende Web-Ressource bereitstellen, zum Beispiel eine Produktseite. Für einen B2B-Lieferanten liegt nahe, dass diese Seite im eigenen Shop steht, denn dort gibt es die Produktdaten, die Datenblätter und für angemeldete Kunden Preis und Verfügbarkeit bereits. Wie eine Produktdetailseite mit Datenblättern und Downloads aufgebaut sein sollte, damit ein Scan dort auch weiterhilft, haben wir gesondert beschrieben.

Zwischen Code und Seite sitzt ein Resolver, also ein Dienst, der eine Kennung mit einer oder mehreren Informationsquellen verbindet. Der GS1-Conformant Resolver Standard sieht vor, dass es je Kennung genau ein Standardziel gibt, auf das weitergeleitet wird, wenn die Anfrage nichts anderes verlangt (GS1-Conformant Resolver Standard). Eine App kann gezielt einen Linktyp anfordern, etwa Produktinformation oder Anleitung. Fehlt dieser Typ, antwortet ein konformer Resolver mit 404 (GS1-Conformant Resolver Standard), statt stillschweigend auf das Standardziel auszuweichen. Nicht jeder Digital Link muss an einen konformen Resolver angeschlossen sein: Eine einfache Eins-zu-eins-Weiterleitung braucht keine besondere Software, sie ist eine Grundfunktion jedes Webservers (GS1-Conformant Resolver Standard).

Die Adresse auf der Packung bleibt, das Ziel darf wandern

Der eigentliche Wert des Digital Link liegt in der Weiterleitung: Das Ziel lässt sich jederzeit ändern, ohne den Code auf dem Produkt neu zu drucken (GS1-Conformant Resolver Standard). Deshalb gehört in den QR-Code nicht die sprechende Adresse Ihrer heutigen Produktseite, sondern der stabile Pfad mit /01/ und GTIN auf einer Domain, die Sie über die gesamte Lebensdauer der Verpackung kontrollieren. Ein Shop-Relaunch oder eine neue Kategorienstruktur ändert dann nur die Weiterleitung, nicht die Etiketten im Lager Ihrer Kunden.

Die Auflöse-Route im Shop

Ob ein eigener Resolver-Dienst nötig ist oder eine Route im Shop genügt, hängt davon ab, wie viele Ziele je GTIN Sie ausspielen wollen. Für viele B2B-Sortimente reicht ein überschaubarer Satz: Produktseite, technisches Datenblatt, Sicherheitsdatenblatt, Montageanleitung und je Charge ein Prüfzeugnis. Das lässt sich in einem Shopware-Shop auf Basis der Open-Source-Version als eigene Route abbilden, die den Pfad zerlegt, die GTIN normalisiert und den passenden Artikel sucht. Die Logik ist kurz, die Sorgfalt steckt in den Randfällen:

  1. Pfad prüfen: Beginnt er mit /01/ und folgen 14 Ziffern mit gültiger Prüfziffer (GS1 Digital Link Standard)? Kürzere GTINs aus älteren Codes kann die Route auf 14 Stellen auffüllen; vorgeschrieben ist das für neue Umsetzungen nicht.
  2. GTIN nachschlagen: Die Route sucht den Artikel über die normalisierte GTIN, nicht über die interne Artikelnummer, weil nur die GTIN in Shop, ERP und Etikett identisch ist.
  3. Standardziel ausliefern: ohne weitere Angaben eine Weiterleitung auf die Produktseite in der Sprache des Browsers, mit /de/ oder /en/ im Ziel.
  4. Charge auswerten: Steht /10/ im Pfad, zeigt die Zielseite den Bereich dieser Charge mit Prüfzeugnis oder Rückrufhinweis, sofern das ERP Daten zu diesem Los liefert.
  5. Linktyp bedienen: Fragt eine App ein bestimmtes Dokument an, liefert die Route es aus oder antwortet mit 404 (GS1-Conformant Resolver Standard), wenn es für diesen Artikel keines gibt.
  6. Unbekannte GTIN abfangen: mit Status 404 antworten, wie es der Resolver-Standard für unbekannte Kennungen vorsieht (GS1-Conformant Resolver Standard), und im Antworttext eine verständliche Hinweisseite mit Suchfeld und Kontakt statt einer leeren Fehlerseite zeigen, dazu ein Protokolleintrag, damit die Lücke im PIM auffällt.

Ein Detail unterscheidet die B2B-Route vom Endkundenfall: Wer scannt, ist oft angemeldet. Ein Monteur, der beim Kunden eine Packung scannt, landet auf derselben Produktseite wie ein Verbraucher, sieht nach der Anmeldung aber seine Preise, den Bestand und die Nachbestellung. Wo ein Kundenportal für B2B Lieferscheine und Zertifikate je Auftrag bereithält, kann die Chargenseite für angemeldete Kunden direkt auf den passenden Beleg verweisen. Die Weiterleitung selbst bleibt schlank: Sie entscheidet nur über das Ziel, Rechte und Preise regelt der Shop wie bei jedem anderen Aufruf.

Was im PIM sauber stehen muss

Der QR-Code ist nur so gut wie die Daten, auf die er zeigt. Für die meisten Sortimente beginnt die Arbeit deshalb nicht mit dem Code, sondern mit einer Bestandsaufnahme der GTINs im PIM und in der Shop-Anbindung. Typische Befunde sind Artikel ohne GTIN, GTINs im Freitextfeld, GTINs mit verlorener führender Null, weil eine Tabellenkalkulation sie als Zahl gelesen hat, und Varianten, die sich eine GTIN teilen. Solche Lücken führen später zu Scans, die ins Leere laufen. Wie eine solche Prüfung der Datenqualität grundsätzlich aufgebaut ist, steht im Beitrag zu Produktdaten und Datenqualität im B2B.

GTIN mit 14 Stellen

Ein eigenes Feld, als Zeichenkette gespeichert und beim Import mit Prüfziffer kontrolliert. Die 13-stellige Form für den EAN-Druck wird daraus abgeleitet, nicht getrennt gepflegt.

GTIN je Verkaufseinheit

Werden Stück, Packung und Karton getrennt verkauft, trägt jede Einheit ihre eigene GTIN. Die Zuordnung gehört an die Variante, nicht an die Artikelfamilie.

Zielseiten je Sprache

Produktseite, Datenblatt und Anleitung als Linktypen je Artikel und Sprache, damit die Route ohne Rückfrage das richtige Ziel findet.

Charge und Los

Format und Länge der Chargennummer passend zur Grenze von 20 Zeichen (GS1 Digital Link Standard), ohne störende Sonderzeichen und identisch in ERP, Etikett und Lieferschein.

Mindesthaltbarkeit und Verfall

Zwei getrennte Datumsfelder, weil sie im Code unterschiedliche Datenbezeichner tragen. Welche Artikel ein Datum brauchen, steht als Regel am Artikel.

Dokumente je Charge

Prüfzeugnisse, Zertifikate oder Rückrufhinweise mit Bezug auf das Los, abrufbar über die Chargenseite und nicht nur als Anhang einer E-Mail.

Eine Unterscheidung erspart viel Umbau: GTIN, Zielseiten und Dokumentvorlagen sind Stammdaten und gehören ins PIM. Charge, Mindesthaltbarkeitsdatum und Seriennummer entstehen dagegen in Produktion und Wareneingang, also im ERP oder in der Lagerverwaltung, und ändern sich mit jedem Los. Das PIM legt fest, welcher Artikel welche Angaben im Code tragen soll, die Werte selbst kommen beim Etikettendruck aus dem ERP. Der Shop braucht die Chargenwerte nur dort, wo er sie zeigt, etwa auf der Chargenseite oder im Kundenkonto. Wie Chargen und Seriennummern zwischen ERP, Lieferschein und Shop wandern, beschreibt unser Beitrag zur Rückverfolgbarkeit von Chargen und Seriennummern.

Für Produkte, die bei Verbrauchern landen können, ist eine Identifikation am Produkt ohnehin Pflicht: Hersteller müssen dafür sorgen, dass ihre Produkte eine Typen-, Chargen- oder Seriennummer oder ein anderes für Verbraucher erkennbares Element zur Identifizierung tragen (Art. 9 Abs. 5 GPSR). Wer solche Produkte online anbietet, muss im Angebot unter anderem Angaben zeigen, die die Identifizierung des Produkts ermöglichen, einschließlich einer Abbildung, der Art des Produkts und sonstiger Produktidentifikatoren (Art. 19 GPSR). Idealerweise stammen die GTIN auf der Produktseite und die GTIN im Code aus demselben Feld im PIM.

Was der Handel mit Charge und MHD anfängt

Für Händler beginnt die Umstellung bescheiden. Am Anfang kann sich die Verarbeitung der Daten im 2D-Code auf die GTIN beschränken, sodass die Abläufe nach dem Scan unverändert bleiben; wer Zusatzdaten wie Mindesthaltbarkeitsdatum oder Chargennummer nutzen will, muss seine Backend-Systeme anpassen (GS1 Germany). Als Anwendungsfälle nennt GS1 Germany unter anderem gezieltere Produktrückrufe, weil betroffene Chargen genauer identifiziert werden können, sowie das Frischemanagement über das Mindesthaltbarkeitsdatum. Für Lieferanten heißt das: Wer Charge und MHD bereits sauber im ERP führt und an Kunden übermittelt, kann sie auch in den Code schreiben, sobald ein Handelspartner sie verwerten will. Bei Großkunden, die Bestellungen und Lieferdaten per EDIFACT austauschen, können dieselben Werte zusätzlich über die Schnittstelle laufen.

Lebensmittel haben eine Sonderregel, die Großhändler mit Endkundenkanal betrifft. Für vorverpackte Lebensmittel im Fernabsatz müssen die Pflichtangaben vor Abschluss des Kaufvertrags verfügbar sein, mit Ausnahme des Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatums (Art. 14 LMIV). Zum Zeitpunkt der Lieferung müssen dagegen alle Pflichtangaben vorliegen (Art. 14 LMIV). Ein Shop muss das MHD also nicht auf der Produktseite zeigen, die Ware aber mit ihm ausliefern. Der Digital Link kann das MHD auf der gelieferten Packung zusätzlich maschinenlesbar tragen, und die Chargenseite im Shop kann es für angemeldete Kunden nach der Lieferung anzeigen. Mehr zu den Besonderheiten der Branche steht auf unserer Seite zum B2B-E-Commerce für Lebensmittel.

Druck, Platzierung und Prüfung

Ein technisch korrekter Code genügt nicht, er muss auch zuverlässig lesbar gedruckt sein. GS1 Germany nennt dafür eine kurze Liste: ausreichende Codegröße, ausreichender Kontrast, eine Hellzone an allen Seiten des Codes, eine geeignete Druckauflösung und die Prüfung der Barcodequalität (GS1 Germany). Für den Kassenscan in der Übergangsphase muss der 2D-Code in der Nähe des EAN-Codes stehen. Für den Strichcode selbst empfiehlt GS1 Germany weiterhin, ihn nicht näher als 8 mm und nicht weiter als 100 mm (GS1 Germany) von den Verpackungskanten anzubringen. Wer Etiketten selbst aus dem ERP druckt, prüft den Code vor der Serienproduktion und danach regelmäßig im laufenden Betrieb, besonders bei neuen Materialien oder Druckverfahren.

  • Codegröße und Hellzone im Etikettenlayout als feste Maße hinterlegt, nicht frei skalierbar
  • QR-Code und EAN-Code in der Übergangsphase nebeneinander, beide mit derselben GTIN
  • Druckauflösung des Etikettendruckers passend zur Modulgröße des Codes gewählt
  • Prüfgerät oder Prüfprotokoll vor Serienstart, danach Stichproben im laufenden Betrieb
  • Testscans mit dem Kassenscanner eines Handelspartners und mit verbreiteten Smartphones
  • Zieladresse im Code auf die dauerhafte Domain gesetzt, nicht auf eine Testumgebung

Fahrplan bis Ende 2027

GS1 Germany empfiehlt, mit einem klar abgegrenzten Pilotprojekt zu beginnen statt mit dem ganzen Sortiment, also mit einem einzelnen Produkt oder einer Produktgruppe (GS1 Germany). Für einen B2B-Lieferanten lässt sich das in sechs Schritte fassen, die Daten, Shop und Druck zusammenbringen:

  1. Pilot wählen: ein Artikel oder eine Produktgruppe, die bei einem Handelspartner mit bildbasierten Kassenscannern gelistet ist.
  2. Daten festlegen: GTIN mit 14 Stellen, die Entscheidung, ob Charge und MHD in den Code gehören, und die Zielseiten je Sprache.
  3. PIM erweitern: Felder, Prüfregeln und Linktypen anlegen und die GTIN-Bestände bereinigen.
  4. Route bauen: Auflösung im Shop mit Standardziel, Chargenseite, Linktypen und Hinweisseite für unbekannte GTINs.
  5. Druck testen: Etikett mit QR-Code und EAN-Code, Prüfung der Druckqualität, Testscans an Kasse und Smartphone.
  6. Ausrollen und messen: weitere Produktgruppen nachziehen und die Aufrufe der Route auswerten, um Lücken im PIM zu finden.

Bis Ende 2027 (GS1 Germany) ist Zeit, aber nicht unbegrenzt viel, wenn Verpackungen nur zu festen Terminen neu gedruckt werden. Wer im nächsten Jahr ohnehin an Schnittstellen arbeitet, etwa für die E-Rechnung an Firmenkunden im EU-Ausland, kann die Bereinigung der GTINs im selben Zug erledigen. Wo das PIM die Daten trägt und der Shop sie über die Schnittstellen zu ERP und Etikettendruck erhält, wird der QR-Code zum Nebenprodukt sauberer Stammdaten statt zu einem eigenen Projekt. Welche Felder in Ihrem Bestand schon passen und wo die Route ansetzt, klären wir in einer Beratung zu Ihrem B2B-E-Commerce.

Dieser Artikel basiert auf Daten aus: GS1 Germany (Themenseite 2D-Code mit FAQ, Seite GS1 Digital Link, Seite EAN Barcode, Checkliste für die Implementierung von 2D-Codes am POS, Pressemeldung „dm macht Kassen fit für 2D-Codes“), dem Implementierungsleitfaden für 2D Codes am Point-of-Sale des Einzelhandels (Ausgabe 1.1, GS1 Germany, GS1 Schweiz, GS1 Austria), dem GS1 Digital Link Standard: URI Syntax, dem GS1-Conformant Resolver Standard (beide GS1 AISBL), der Verordnung (EU) 2023/988 über die allgemeine Produktsicherheit (GPSR) und der Verordnung (EU) 1169/2011 betreffend die Information der Verbraucher über Lebensmittel (LMIV), beide EUR-Lex. Die Angaben geben den Stand der jeweiligen Veröffentlichung wieder und ersetzen keine Rechtsberatung.

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